Der zweite Band der Reihe «Liuteria Emiliana del Novecento» ist Ansaldo Poggi (1893–1984) gewidmet und gehört zu den umfassendsten Publikationen, die bislang über den bedeutenden Bologneser Geigenbauer erschienen sind. Auf 448 grossformatigen Seiten zeichnet die luxuriös ausgestattete Monografie Poggis mehr als sechs Jahrzehnte umfassendes Schaffen nach und verbindet eine aussergewöhnliche Dokumentation seiner Instrumente mit neuen Erkenntnissen zu seiner Arbeitsweise, seiner Korrespondenz und seinem Verhältnis zu seinem Lehrer Giuseppe Fiorini.
Poggis lebenslange Suche nach technischer und ästhetischer Perfektion führte zu Instrumenten, die bereits zu seinen Lebzeiten höchste Anerkennung fanden. Entscheidenden Einfluss hatte Giuseppe Fiorini, dessen Lehre und unmittelbare Verbindung zur klassischen italienischen Geigenbautradition Poggis Entwicklung nachhaltig prägten. Das Buch geht dieser Beziehung anhand bislang unveröffentlichter Quellen nach und ermöglicht damit einen aussergewöhnlich tiefen Einblick in die Entstehung eines der bedeutendsten Werke des modernen italienischen Geigenbaus.
Mehr als 55 Instrumente von Ansaldo Poggi werden ausführlich und in hochwertigen Abbildungen dokumentiert. Ihnen gegenübergestellt sind Arbeiten seiner Vorgänger Raffaele und Giuseppe Fiorini sowie der wenigen Schüler, die diesen Zweig der Bologneser Geigenbautradition weiterführten. Damit dokumentiert der Band nicht nur Poggis persönliche Entwicklung, sondern stellt sein Werk in den grösseren historischen und stilistischen Zusammenhang der Bologneser Schule.
Von besonderer Bedeutung ist die umfassende Auswertung der Poggi-Korrespondenz. Grundlage bildet unter anderem eine bedeutende Sammlung bislang unveröffentlichter Dokumente, die Giovanni Accornero 2024 der Gemeinde Medicina schenkte. Briefe, Aufzeichnungen und Werkstattdokumente werfen neues Licht auf Poggis Beziehung zu Giuseppe Fiorini, seinen Austausch mit seiner Kundschaft und die Entwicklung seiner Vorstellungen vom Instrumentenbau.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Poggis konkreten Werkstattmethoden. Zeichnungen, Innenformen und erhaltene Arbeitsmaterialien werden systematisch untersucht und erlauben es, Konstruktion und Arbeitsprozesse des Meisters detailliert nachzuvollziehen. Ergänzt wird diese Analyse durch von Rudolf Hopfner durchgeführte Mikro-Computertomografien ausgewählter Instrumente, die Einblicke in konstruktive Details ermöglichen, die bei einer rein äusserlichen Betrachtung verborgen bleiben.
Mit Beiträgen von Gian Carlo und Raffaella Guicciardi, Paolo Bandini, Rudolf Hopfner und Andrea Zanrè verbindet das Werk historische Forschung, Instrumentenkunde und geigenbauerische Analyse. Die Texte erscheinen vollständig in italienischer und englischer Sprache.
Die ausschliesslich als De-Luxe-Ausgabe erhältliche Publikation umfasst 448 Seiten im grosszügigen Format von 32 × 23,5 cm. Die Auflage ist weltweit auf lediglich 800 Exemplare limitiert. Damit ist dieses Buch nicht nur ein aussergewöhnliches Referenzwerk für Geigenbauer, Experten, Musiker und Sammler, sondern zugleich eine bedeutende bibliophile Publikation zum italienischen Geigenbau des 20. Jahrhunderts.